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Was verraten uns die Neurowissenschaften wirklich über den freien Willen?

Ringvorlesung WS 2018/2019 | Montag, 03. Dezember 2018

Was verraten uns die Neurowissenschaften wirklich über den freien Willen?


Prof. Dr. John-Dylan Haynes, Bernstein Zentrum Berlin und Charité Universitätsmedizin Berlin

Seit vielen Jahren streiten sich Hirnforscher, Psychologen, Philosophen und Juristen um den freien Willen. Ein Kernthema sind Experimente, die zeigen, dass sich der Ausgang einer freien Entscheidung bereits mehrere Sekunden vorher aus der Hirnaktivität eines Probanden vorhersagen lässt. Das erscheint paradox: Wie kann ein Gehirn vorher wissen, wie jemand sich erst in der Zukunft entscheiden wird, wenn der Ausgang der Entscheidung noch offen zu sein scheint? Ist also der freie Wille eine Illusion und unsere Entscheidungen werden von unbewussten Hirnprozesse bestimmt?

Diese Experimente sind vielfach und kontrovers diskutiert worden. Insbesondere stellt sich die Frage, ob jede Entscheidung unbewusst vorherbestimmt und unabwendbar ist. Dazu ließen wir Probanden in einem „Hirnduell“ gegen einen Computer antreten. Es zeigte sich, dass unbewusste Hirnprozesse die Entscheidung zwar vorbereiten, aber dass diese Vorentscheidung immer noch abgebrochen werden kann. Ist also durch die Hirnforschung die Freiheit unseres Willens wirklich prinzipiell in Frage gestellt?

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